Erntezeit

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12. April 2026 · von Stachi · 3 Min Lesezeit

Wie Erntezeit weiss, wann dein letzter Frost kommt

Wir schauen nicht in die Kristallkugel. Wir schauen zehn Jahre in die Vergangenheit.

Wann ist in deinem Garten der letzte Frost?

Frag fünf Gärtner und du kriegst fünf Antworten. „Nach den Eisheiligen." „Bei uns im Aargau eher Ende Mai." „Seit der Klimaerwärmung Anfang Mai." „Meine Oma hat immer gesagt, am 13. Mai ist der Kalte Sophie." „Keine Ahnung, ich warte einfach bis das Wetter passt."

Das Problem mit diesen Antworten: sie sind alle entweder zu grob (ein Datum für die gesamte Schweiz), zu romantisch (Eisheilige sind eine Wetterregel aus dem 16. Jahrhundert) oder zu vage („passt schon").

Erntezeit macht's anders. Und zwar so:

Schritt 1: Deine PLZ wird zu Koordinaten

Du tippst „5024" oder „8965" oder „Berikon" ein. Wir schicken das an die Open-Meteo Geocoding API — ein kostenloser, frei verfügbarer Dienst, der aus Ortsnamen Breitengrad und Längengrad macht.

Für Berikon kommt zurück: 47.3539° N, 8.3701° E. Das ist jetzt ein Punkt auf der Erdoberfläche, keine 80 km² Kantonsfläche mehr.

Schritt 2: Zehn Jahre Wetterdaten

Mit diesen Koordinaten fragen wir die Open-Meteo Archive API ab. Sie gibt uns die tatsächlich gemessenen Tagesminimum-Temperaturen der letzten zehn Jahre für diesen exakten Punkt. Also echte Messdaten, keine Vorhersagen.

Für Berikon, 2015-2024, sehen wir zum Beispiel:

  • 2015: letzter Tag mit Tmin ≤ 0°C: 21. April
  • 2016: letzter Tag mit Tmin ≤ 0°C: 1. Mai
  • 2017: 24. April (und nochmal -1.8°C am 20. April)
  • 2018: 18. April
  • 2019: 15. Mai
  • 2020: 13. April
  • 2021: 20. Mai
  • 2022: 2. Mai
  • 2023: 23. April
  • 2024: 20. April

Zehn Jahre, zehn verschiedene Daten. Der früheste liegt bei 13. April, der späteste bei 20. Mai. 37 Tage Unterschied.

Das ist die reale Unberechenbarkeit, die dich ruinieren kann.

Schritt 3: Das 90. Perzentil

Wir nehmen nicht den Durchschnitt. Durchschnitt wäre gefährlich — in der Hälfte der Jahre käme der Frost später, und du würdest deine Tomaten verlieren.

Wir nehmen das 90. Perzentil. Das heisst: in 9 von 10 Jahren war der letzte Frost bis zu diesem Datum vorbei. Nur in 1 von 10 Jahren gibt es danach nochmal einen Kälteeinbruch.

Für Berikon ergibt das: 14. Mai.

Das ist unser „letzter Frost". Nicht der statistische Durchschnitt, sondern die sichere Seite. Wer am 14. Mai Tomaten pflanzt, wird in 9 von 10 Jahren keine Verluste haben.

Der 14. Mai ist übrigens zufällig fast genau der Tag nach Pankratius, Servatius und Bonifatius — die „drei Eisheiligen". Manchmal haben die alten Bauernregeln nicht unrecht. Aber wir wissen jetzt warum sie stimmen, nicht nur dass sie stimmen.

Schritt 4: Zuordnung zu den Pflanzen

Jetzt wird's interessant. Für jede Pflanze in der Erntezeit-Datenbank ist hinterlegt, ob sie frostempfindlich ist oder nicht.

  • Tomate: ja → darf nicht vor dem 14. Mai raus
  • Paprika: ja → darf nicht vor dem 14. Mai raus
  • Basilikum: ja → darf nicht vor dem 14. Mai raus
  • Zucchini: ja → darf nicht vor dem 14. Mai raus
  • Radieschen: nein → darf ab dem 15. März raus (Bodentemperatur-Kriterium)
  • Spinat: nein → darf ab dem 1. März raus
  • Salat: leicht empfindlich → darf ab dem 15. April raus

Jede dieser Regeln ist dynamisch: sie verschiebt sich mit deiner Region. Wenn du in Lugano bist, ist dein letzter Frost vielleicht am 25. April. Wenn du in Davos bist, am 10. Juni. Erntezeit rechnet das für jeden Ort einzeln aus.

Warum das besser ist als eine App-Einstellung

Andere Garten-Apps fragen dich einmal beim Setup: „In welcher Klimazone bist du?" Du darfst zwischen 3 und 7 Optionen wählen („Mitteleuropa", „Alpen", „Mittelmeer" etc.). Das ist ungenau, weil dein Garten mitten in Europa trotzdem zwischen Zone 6a und 7b liegen kann, je nach Höhenmeter und Mikroklima.

Erntezeit fragt nichts davon. Wir nehmen deine PLZ und rechnen es aus. Du musst weder wissen was eine USDA-Zone ist, noch ob dein Dorf eher nordisch oder alpin ist. Der Computer rechnet, du gärtnerst.

Das ist die ganze Zauberei

Keine KI. Kein Machine Learning. Keine Kristallkugel. Nur echte Wetterdaten von Open-Meteo, ein statistisches Verfahren (90. Perzentil), und eine Datenbank mit Pflanzen-Eigenschaften.

Das ist langweilig. Und genau deshalb funktioniert es.

🦔 Stachi

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