29. April 2026 · von Stachi · 4 Min Lesezeit
Krautfäule — was ist das eigentlich, und warum erwischt sie genau deine Tomaten
Im Juli sehen die Blätter noch gut aus. Im August sind sie über Nacht braun. Hier ist was passiert ist, warum es passiert ist, und wie du's nächstes Jahr vermeidest.

Es war Mitte August. Frau Schneider kam zu mir und sagte: „Stachi, meine Tomaten sind über Nacht braun geworden. Was ist das?"
Ich bin mit ihr rüber. Auf dem Beet standen sechs Tomaten- pflanzen, eine Woche zuvor noch grün und voll. Jetzt: braun- schwarze Flecken auf den Blättern, weisser flaumiger Belag auf der Unterseite, und am Stamm dunkle Streifen, die nach unten wandern.
„Das ist Krautfäule", habe ich gesagt. „Phytophthora infestans. Tomaten und Kartoffeln und so weiter. Schlechte Nachrichten."
Sie schaute mich an: „Wieso eigentlich? Wo kommt das her?"
Hier ist die Antwort.
Was Krautfäule technisch ist
Krautfäule wird von Phytophthora infestans verursacht. Das klingt nach einem Pilz, ist aber kein Pilz — es ist ein Eipilz (Oomycet), eine eigene Lebensform die genetisch näher an Algen ist als an Pilzen. Aber nennen wir's einfach Krautfäule, das ist auch im Alltag klarer.
Der Erreger:
- Lebt in feuchten Bedingungen (Pflanze + Boden + Luftfeuchtigkeit über 90% für 6+ Stunden = perfekt)
- Verbreitet sich über Sporen, die mit Regen, Wind oder Spritzwasser weiter getragen werden
- Schlüpft durch jede Pore, jeden Riss in der Blatthaut
- Tötet Pflanzenzellen ab, indem er ihren Inhalt verzehrt
- Kann pro Tag 5-10 cm Pflanze überwinden — bei feuchtem Wetter hast du 3-5 Tage zwischen „erste Symptome" und „Pflanze tot"
Heimat: vermutlich Mittelamerika. Berühmt geworden durch die irische Kartoffel-Hungersnot 1845-1849, die Krautfäule in Europa einschleppte und Millionen Iren das Leben kostete (durch Hunger, nicht direkt durch den Pilz). Es ist also kein Garten-Spielzeug, das ist eine ernsthafte Pflanzenkrankheit mit historischem Gewicht.
Warum Tomaten + Kartoffeln gemeinsam tödlich
Beide gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Phytophthora infestans befällt Tomaten und Kartoffeln gleichermassen — und die Sporen wandern fröhlich von einer zur anderen.
Wenn du also Tomaten neben Kartoffeln pflanzt — egal ob im selben Beet oder zwei Beete weiter — verdoppelst du das Risiko. Eine kranke Kartoffelpflanze kann eine gesunde Tomate infizieren, oder umgekehrt.
Andere Nachtschattengewächse die auch betroffen sein können: Paprika, Aubergine. Die sind aber weniger anfällig und werden seltener total ausgelöscht.
Im Beet-Plan: Tomaten und Kartoffeln gehören mindestens 5 Meter auseinander, lieber gar nicht im selben Garten. Wenn du nur ein Beet hast: keine Kartoffeln, das ist die einfache Antwort.
Symptome erkennen — die 5 Phasen
Krautfäule kommt nicht über Nacht. Sie kommt über 5-7 Tage in diesen Phasen:
Phase 1 (Tag 1-2): Olivgrün-graue Flecken am Blattrand. Sie sehen aus wie wässrige Stellen, die nicht trocknen. Ohne weisse Beläge. Du würdest's übersehen.
Phase 2 (Tag 3-4): Die Flecken werden braun. Auf der Blattunterseite siehst du weissen, flaumigen Belag — das sind die Sporenträger. Jetzt ist klar dass es Krautfäule ist.
Phase 3 (Tag 5): Die ganzen Blätter werden braun, wirken ledrig, hängen schlapp. Die Krankheit wandert vom Blatt in den Blattstiel.
Phase 4 (Tag 6-7): Schwarze Streifen am Stamm, Triebe knicken ein. Wenn die Frucht da ist: schwarze, lederige Stellen an den Tomaten, die innen matschig sind. Pflanze ist nicht mehr zu retten.
Phase 5 (1-2 Wochen später): Pflanze tot. Sporen sind in den Boden gewandert und können dort überdauern, bis nächstes Jahr.
Was du tun kannst
Vorbeugung (das Wichtigste):
- Niemals von oben giessen. Wasser nur am Stamm, möglichst nicht auf die Blätter. Krautfäule braucht Blattfeuchte zum Keimen. Trockene Blätter, kein Krautfäule-Risiko.
- Abstand halten. 60-80 cm zwischen Tomatenpflanzen, Luft muss zirkulieren können. Eng gepflanzt = Mikroklima von 90%+ Luftfeuchte = Eldorado für Sporen.
- Untere Blätter ausgeizen. Alle Blätter unter den ersten Früchten abschneiden. Spritzwasser vom Boden trifft die unteren Blätter zuerst — das ist die typische Eintrittsstelle.
- Regenschutz. Wenn du kannst, baue ein einfaches Dach (PVC- Folie auf Stäben) über die Tomaten. Das ist die wirkungsvollste Einzelmassnahme. Halbierte Risiko.
- Mulch unten. 5 cm Stroh oder Holzhäcksel verhindert dass Sporen vom Boden hochspritzen.
- Robuste Sorten. „Rote Murmel", „Quedlinburger Frühe Liebe", „Resi" — alle relativ widerstandsfähig.
Wenn du Krautfäule schon hast (Phase 1-2):
- Befallene Blätter sofort abschneiden, in den Restmüll, NICHT Kompost. Sporen würden im Kompost überdauern.
- Unterboden mit einem trockenen Tuch abwischen.
- Pflanze mit verdünnter Knoblauch-Brühe (Knoblauch-Aufguss, kalt abgekühlt) sprühen — biologisches Pflanzenschutzmittel, hält moderate Befälle in Schach.
- Nächste 3-4 Tage genau beobachten. Wenn neue Flecken kommen: Pflanze ausreissen.
Wenn du Krautfäule schon hast (Phase 3+):
Pflanze ausreissen, in den Restmüll. Boden 2 Wochen ruhen lassen. Den Bereich nicht mit anderen Nachtschattengewächsen bepflanzen.
Frau Schneiders Tomaten
Wir haben Frau Schneiders 6 Tomatenpflanzen in Phase 4 erwischt. Vier waren nicht mehr zu retten. Zwei haben wir mit Knoblauch- Brühe gerettet, indem wir die unteren befallenen Bereiche abgeschnitten haben — so 30% der Pflanze weg, aber sie hat noch 2-3 kg Tomaten reifen lassen.
Lektion gelernt: nächstes Jahr hatten wir ein Tomatendach (PVC- Folie auf 4 Stäben für 8 CHF), grössere Abstände, und morgens gegossen statt abends. Krautfäule ist nicht mehr aufgetreten.
Was Erntezeit für dich macht
Wenn du in unserem Wizard Tomaten + Kartoffeln gleichzeitig auswählst, kommt eine Mischkultur-Warnung — wir lassen dich nicht beide pflanzen ohne dich zu warnen. Das verhindert die häufigste Anfänger-Falle.
Plus: dein Aussaat- und Pflanzzeitpunkt ist so geplant, dass Tomaten ihre Hauptwachstumsphase im Juli haben (heiss + trocken, ideal), nicht im verregneten Spätsommer.
Probier den Beetplaner aus — wir warnen dich vor Krautfäule, bevor sie deine Pflanzen findet.
🦔 Stachi
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