2. September 2026 · von Stachi · 3 Min Lesezeit
Kräuter trocknen im September: was jetzt geht — und was du besser lässt
September ist der letzte grosse Moment für Thymian, Oregano und Rosmarin. Wer jetzt trocknet, hat bis in den Winter aromatische Kräuter aus dem eigenen Beet. Wer wartet, hat Kompost.

Letztes Jahr hab ich meinen Thymian einfach stehen lassen. «Der überlebt doch den Winter», hab ich mir gedacht. Und ja, er hat überlebt — aber aromatisch war er im November so ungefähr wie leicht grünes Heu. Den ganzen Winter über habe ich dann Thymian aus dem Glas vom Laden benutzt. Aus meinem eigenen Garten. Das ärgert mich noch heute.
Im September ist das der entscheidende Moment: Die mediterranen Kräuter sind auf dem Höhepunkt ihres Aromas, die Tage werden kürzer, die Nächte kühler. Was du jetzt nicht trocknest, verlierst du an den Frost oder den Herbstregen.
Welche Kräuter sich zum Trocknen eignen — und welche nicht
Das ist wichtiger als die Methode selbst. Nicht jedes Kraut trocknet gut.
Gut zum Trocknen geeignet:
- Thymian — das klassische Trocknungskraut. Ätherische Öle bleiben beim Trocknen fast vollständig erhalten. September ist der beste Erntemonat.
- Oregano — aromatisch sogar intensiver als frisch. Wer Oregano für Pizza und Pasta will, trocknet ihn, bevor er blüht oder kurz danach.
- Rosmarin — etwas holziger, aber hält sich getrocknet über ein Jahr. Die Nadeln bleiben aromatisch, solange sie in der Dunkelheit aufbewahrt werden.
- Salbei — ebenfalls hervorragend zum Trocknen. Die grossen Blätter verlieren beim Trocknen nur wenig Aroma.
- Minze — geht, verliert aber mehr vom frischen Geschmack als die Mediterranen. Dennoch besser als nichts, wenn du viel davon hast.
Besser nicht trocknen:
- Basilikum — verliert beim Trocknen fast das gesamte Aroma. Besser: Blätter einfrieren (Öl-Eiswürfel) oder sofort zu Pesto verarbeiten.
- Petersilie — schmeckt getrocknet wie nasses Papier. Einfrieren funktioniert viel besser.
- Schnittlauch — nicht sinnvoll zu trocknen. Entweder frisch verwenden oder fein gehackt einfrieren.
Wann du erntest
Morgens, nach dem Abtrocknen des Taus, bei trockenem Wetter. Das ist bei Kräutern nicht nur ein Tipp — es macht einen echten Unterschied. Wenn die Öldrüschen prall gefüllt sind und die Sonne noch nicht alles verdampft hat, ist das Aroma am stärksten.
Schneide Triebe am frühen Morgen, an einem Wochentag ohne Regen in den nächsten 48 Stunden. Feuchtes Material schimmelt im Bündel.
Wie du trocknest
Methode 1: Hängebündel — Das Klassische. Zehn bis fünfzehn Triebe zusammenbinden, mit dem Kopf nach unten an einem luftigen, dunklen Ort aufhängen. Nicht in der Küche direkt am Herd — Dampf und Fett verderben das Aroma. Ein Treppenhaus, ein trockener Keller, eine Scheune funktionieren gut. Nach zwei bis drei Wochen sind sie trocken.
Methode 2: Dörrgerät — Schneller, schonender, reproduzierbarer. Temperatur auf 35 bis 40 Grad stellen — höher, und die ätherischen Öle verdampfen bevor sie ins Glas kommen. Dünne Triebe sind nach vier bis sechs Stunden fertig.
Beide Methoden funktionieren. Für Rosmarin und Thymian ist der Unterschied minimal. Bei Oregano bemerke ich mehr Aroma beim Dörrgerät auf niedrigster Stufe.
Aufbewahren — das unterschätzte Detail
Trocken, dunkel, luftdicht, möglichst ganz bis kurz vor der Verwendung. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.
In dunklen Gläsern mit Schraubdeckel halten Kräuter ein Jahr aromatisch. In offenen Schälchen auf der Fensterbank: ein Monat, danach hauptsächlich Optik.
Zerreib die Kräuter erst dann, wenn du sie verwendest. Ganze Blätter und Nadeln schützen die ätherischen Öle länger als vorgemahlenes Pulver.
Was jetzt noch im Beet steht
Thymian und Rosmarin bleiben im Beet — die überwintern. Du nimmst einfach die grössten Triebe jetzt. Oregano kannst du komplett zurückschneiden, das schadet ihm nicht. Salbei: Hälfte ernten, Hälfte stehen lassen.
Damit hast du im Winter eigene Kräuter, und das Beet hat gleichzeitig mehr Platz für Feldsalat oder Spinat.
Frau Schneider hat mir dieses Jahr Anfang August geschrieben: «Ich hab noch Oregano aus dem letzten Jahr im Glas. Kann ich den noch verwenden?» — Natürlich, wenn er nach wie vor riecht. Ein Jahr ist kein Problem. Zwei Jahre, und er riecht nach Karton. Dann ist es Zeit für den nächsten Herbst-Vorrat.
September ist genau jetzt. Schneidest du heute, hast du bis März aromatische Erinnerungen an deinen eigenen Garten auf dem Teller.
🦔 Stachi
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