1. Oktober 2026 · von Stachi · 3 Min Lesezeit
Rhabarber jetzt teilen: so bekommt die alte Staude wieder dicke Stiele
Nach fünf, sechs Jahren werden Rhabarberstiele spürbar dünner – nicht weil etwas falsch läuft, sondern weil die Staude aus allen Nähten platzt. Jetzt, im Oktober, ist der beste Moment, sie zu teilen und frisch zu setzen.

Frau Schneider hat mich letzte Woche gefragt, warum ihr Rhabarber auf einmal nur noch fingerdicke Stiele macht. Vor vier Jahren waren das noch kräftige rote Stangen, dick wie ein Daumen. Sie dachte zuerst an schlechten Boden, hat gedüngt, hat gegossen. Keine Besserung.
Das Problem war kein Mangel. Es war das Gegenteil. Ihre Staude sitzt seit sieben Jahren am selben Fleck, und die Krone darunter hat sich in der Zeit zu einem dichten Gewirr aus alten und neuen Augen verknäult. Je voller das wird, desto mehr Triebe teilen sich dieselbe begrenzte Wurzelmasse – und jeder einzelne wird schwächer.
Woran du erkennst, dass deine Staude dran ist
Ein paar Zeichen, die bei mir und bei Frau Schneider gleich aussahen:
- Die Stiele werden Jahr für Jahr dünner, obwohl du nichts an der Pflege geändert hast.
- Die Mitte der Staude treibt kaum noch aus, nur der Rand ist noch kräftig.
- Du erntest insgesamt weniger, selbst wenn die Pflanze optisch grösser aussieht als früher.
Fünf bis acht Jahre nach dem Pflanzen ist das normal. Rhabarber ist mehrjährig und lebt locker 15, 20 Jahre an derselben Stelle – aber eben nicht ohne diesen einen Reset zwischendurch.
Warum Oktober und nicht April
Teilen geht in der Theorie zu zwei Zeitpunkten: im zeitigen Frühjahr, bevor die ersten Blätter sich entrollen, oder jetzt im Herbst, wenn das Laub von selbst abstirbt und die Pflanze in die Ruhephase geht. Ich mag den Herbsttermin lieber, aus einem einfachen Grund: Die Bodentemperatur im Oktober liegt bei uns in Zürich-Affoltern noch bei 10 bis 12 Grad. Die frisch geteilten Stücke bilden darin in den nächsten vier, fünf Wochen noch feine neue Wurzeln, bevor der Boden richtig kalt wird. Im Frühling dagegen konkurriert die frisch geteilte Pflanze sofort mit dem einsetzenden Austrieb um Energie – das kostet sie das erste Jahr zusätzlich.
In der Erntezeit-Pflanzendatenbank läuft das Pflanzfenster für Rhabarber deshalb von Kalenderwoche 40 bis 46 im Herbst – du bist mit dieser Woche also mittendrin, nicht zu spät.
So teilst du die Staude
- Grabe die ganze Staude grosszügig mit der Grabgabel aus, nicht nur an einer Seite anheben. Die Wurzeln reichen oft 40 bis 50 cm tief, eine Grabgabel schont sie dabei besser als ein Spaten.
- Schüttel oder spritz grobe Erde ab, bis du die Krone mit den einzelnen Knospen – den «Augen» – klar erkennen kannst. Die sehen aus wie kleine rötliche Höcker auf der Oberseite.
- Zerteile die Krone mit einem sauberen, scharfen Spaten oder einem stabilen Messer in Stücke. Jedes Stück braucht mindestens ein kräftiges Auge und ein ordentliches Stück Wurzel daran – ein Auge allein ohne Wurzelmasse vertrocknet meistens.
- Wirf das alte, holzige Zentrum der Krone weg, falls eins da ist. Das treibt kaum noch, es lohnt sich nicht, es mitzunehmen.
- Pflanz die Stücke am besten noch am selben Tag neu. Liegen gelassene Rhabarberstücke trocknen an der Schnittfläche schnell aus.
Neu pflanzen: Tiefe und Abstand
Setz jedes Stück so, dass das oberste Auge gerade eben mit der Erde abschliesst oder höchstens 2 cm darunter liegt – zu tief gepflanzt, und der Austrieb im Frühling tut sich schwer durchzukommen. Arbeite beim Einsetzen reifen Kompost ins Pflanzloch ein, Rhabarber ist Mittelzehrer und dankt eine gute Grundversorgung mit kräftigerem Wachstum im ersten Jahr.
Halt zwischen den Pflanzstellen rund 100 cm Abstand. Das wirkt im Oktober übertrieben grosszügig, bei einer ausgewachsenen Staude mit über einem Meter Blattspannweite stimmt der Platz dann aber genau.
Ein Jahr Geduld, dann wieder ernten
Das ist der Teil, den die wenigsten gern hören: Im ersten Frühling nach dem Teilen nichts ernten, egal wie verlockend die ersten roten Stiele aussehen. Die Pflanze braucht die komplette Saison, um aus dem kleinen Wurzelstück wieder ein tragfähiges System aufzubauen. Im zweiten Frühling darfst du schon vorsichtig ernten, ab dem dritten Jahr wie gewohnt.
Frau Schneiders alte Staude war genau in diesem Zustand – zu dicht, zu alt in der Mitte. Wir haben sie letzten Mittwoch zu dritt geteilt: ein Stück an ihrem alten Platz, zwei Stücke als Geschenk an ihre Nachbarin, die seit Jahren fragt, ob sie «etwas vom berühmten Rhabarber» haben könne. Nächstes Jahr wird aus Frau Schneiders einer Staude ein kleiner Rhabarber-Clan im ganzen Quartier – und in zwei Jahren haben alle wieder daumendicke Stiele.
🦔 Stachi
Produkte aus diesem Beitrag
Affiliate-Links. Stachi bekommt eine kleine Provision, dein Preis bleibt gleich.
- Gardena Classic PflanzkelleQualitätsstahl, korrosionsgeschützt — Allrounder fürs Beet.
- Gardena Blumenkelle, breit
- Bosch Handgabel, Edelstahl
- Draper robuste Handgabel, Edelstahl
Verwandte Pflanzen
Weitere Beiträge

10. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Brombeeren jetzt ins Hochbeet pflanzen: warum eine Pflanze schon zu viel sein kann
Frau Schneider hat sich für ihre Kinder stachellose Brombeeren bestellt – gleich drei Stück, für ein einziges Hochbeet. Ich musste ihr sagen, dass selbst eine davon dort auf Dauer eng wird. Hier ist, worauf es bei der Herbstpflanzung wirklich ankommt.

9. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Endivie bleichen: der Trick gegen die Bitterkeit – und wo die Fäulnis lauert
Frau Schneider hat ihre Endivie an einem regnerischen Nachmittag zusammengebunden, weil sie keine Zeit hatte zu warten. Eine Woche später war das Herz braun und schmierig statt hellgelb und zart. Hier ist, worauf es beim Bleichen wirklich ankommt.

8. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Artischocke überwintern: warum sie im Hochbeet schneller erfriert als im Gartenbeet
Frau Schneiders Artischocke hat diesen Sommer zum ersten Mal richtig Knospen getragen – jetzt hat sie Angst, dass die Pflanze den ersten harten Frost im Hochbeet nicht überlebt. Zu Recht: Hochbeet-Erde friert anders als Gartenboden. So schützt du den Wurzelstock richtig.