3. August 2026 · von Stachi · 4 Min Lesezeit
Tomaten im August: Geiztriebe entfernen und die Hitze richtig handhaben
Im August wird es heiss. Tomaten brauchen jetzt weniger Aufmerksamkeit für Blätter und mehr für Wasser. Worauf man achten sollte, damit die besten Tomaten noch kommen — und warum deine Sorte jetzt den Unterschied macht.

Im August werden viele Tomatenpflanzen plötzlich faul. Sie wachsen kaum noch, die neuen Blüten sitzen fest und fallen nicht ab wie erwartet. Einige Gärtner denken, die Pflanzen sind fertig. Das stimmt nicht ganz.
August ist der Monat, in dem Tomaten kein Drama brauchen. Aber ein bisschen Aufmerksamkeit macht den Unterschied zwischen mittelmässiger und sehr guter Ernte aus.
Die Geiztriebe — jetzt ist nicht mehr der beste Zeitpunkt, aber nicht zu spät
Geiztriebe sind die kleinen Seitentriebe, die zwischen dem Hauptstamm und den Blattansätzen wachsen. Im Juni und Juli sind sie einfach zu finden und schnell zu entfernen.
Im August sind manche Geiztriebe schon grösser geworden. Aber Frau Schneider hat mir letzte Woche geschrieben: «Stachi, ich habe die kleinen Triebe noch nicht alle weggemacht. Ist es jetzt zu spät?»
Das kommt darauf an, welche Sorte sie hat. Die meisten unbegrenzten Sorten («indeterminate») brauchen die Geiztriebe jetzt weniger dringend entfernt. Die Pflanzen bremsen sich selbst ab, wenn die Tage kürzer werden. Die Triebe, die jetzt noch da sind, werden noch ein paar Blüten setzen, und die werden noch reif.
Was ich machen würde: nicht alle entfernen. Nur die sehr dicken, starken Triebe rausnehmen, die oben wachsen. Die unteren, schwächeren Triebe können bleiben. Sie nehmen der Tomate nicht viel Energie weg, und am Ende des Augusts kann die Sonne nicht mehr überall durchscheinen — ein bisschen mehr Blattwerk schützt die Früchte vor Sonnenbrand.
Die determinierten, kurzwüchsigen Sorten (Pianto, Tumbling Tom) brauchst du gar nicht ausgeizen. Das hat keinen Sinn mehr.
Wasser ist die Antwort auf fast alles, was jetzt schiefgeht
Im August ist die häufigste Beschwerde: «Meine Tomaten platzen» oder «Die Blüten fallen ab, bevor sie sich in Früchte verwandeln».
Das liegt fast immer am Wasser. Nicht zu viel — unregelmässig. Eine Tomate will jeden Tag einen konsistenten Feuchte-Level haben. Wenn sie tagsüber trocken steht und am Abend dann zwei Liter abbekommt, sind die Zellen zu schnell zu voll, die Schale reisst, und es ist vorbei.
Mein System: jeden Morgen giessen, nicht zu viel, aber satt. Eine Hand voll Mulch — Rasenschnitt, Stroh, Kompost-Schicht — oben auf das Beet legen. Das hält die Erde kühl und das Wasser dort, wo es sein soll.
Wenn es draussen 35 Grad hat, geben manche Gärtner mittags noch Wasser. Das verstehe ich, aber die Pflanzen kümmern sich selbst besser, wenn man sie in der Hitze in Ruhe lässt. Morgens gut giessen, die Verdunstung durch Mulch bremsen, abends nochmal kontrollieren. Das reicht.
Und die abfallenden Blüten? Das ist thermischer Stress. Wenn es über 30 Grad geht, stellen manche Sorten die Blütenproduktion einfach ein. Das ist normal. In September wird es besser, und dann setzen Sie wieder an. Du machst da nichts falsch.
Oben kürzen — aber nicht zu radikal
Ende August können unbestimmte Sorten (die, die immer weiter wachsen wollen) gekürzt werden. Nicht radikal — nur die obersten 15 bis 20 Zentimeter. Das signalisiert der Pflanze: okay, wir fahren runter.
Das fördert, dass die Pflanze ihre Energie jetzt auf die Früchte konzentriert, nicht auf neue Blütentriebe ganz oben.
Aber Achtung: wenn es noch sehr warm ist und du die Pflanze stark kürzt, bekommt die Frucht zu viel Sonne auf einmal, und du riskierst Sonnenbrand. Lieber graduell machen — jetzt schon eine Seite leicht kürzen, nächste Woche die andere. So gewöhnt sich die Frucht langsam an mehr Licht.
Sorte ist jetzt King
Im August merkst du, welche Sorten wirklich gut sind.
Die klassischen Hochbeet-Sorten wie Süsskir sche, Cherrola oder Tigerella sind jetzt robust und bringen noch bis September. Sie mögen die Hitze nicht, aber sie machen weiter.
Wenn du eine feine Fleisch-Tomate wie Ochsenherz oder Brandywine hast — die sind im August angespannt. Sie brauchen konsistentes Wasser und einen kühleren Standort. Sie mögen nicht, wenn es über 30 Grad ist. Aber die, die du hast, werden unglaublich gut schmecken.
Was du NICHT tun solltest: jetzt noch neue Sorten säen für Hochbeet-Ernte. Das ist zu spät für die meisten. Aber wenn du kleine Pflanzen vom Gärtner bekommen kannst (manchmal gibt es Räumungsverkäufe), und sie sind schon mit Blüten, dann ja — die werden noch was bringen bis Mitte September.
Die erste Ernte ist immer grün
Viele Tomaten sitzen jetzt grün im Beet und sehen so aus, als würden sie nie rot. Das ist ein Trugschluss. Tomaten brauchen kühler Nächte, um richtig rot zu werden. Im Juli und frühen August, wenn die Nächte noch 18 bis 20 Grad warm sind, geht das nicht.
Erst wenn die Nächte ab September auf 14 bis 15 Grad fallen, wird der Prozess in Gang gesetzt.
Das heisst: viele dieser grünen Tomaten werden rot. Es braucht nur Zeit. Wenn es in deinem Hochbeet sehr heiss ist (weil es viel Sonne bekommt und du keinen Windschutz hast), könnten Nächte auch im August schon kühl genug sein — dann funktioniert es.
Was Frau Schneider jetzt macht
Frau Schneider hat mir geschrieben, dass ihre Tomaten im Juli bis Anfang August schon fast alle ihre Früchte gesetzt haben. Sie giesst jetzt jeden Morgen (mit Mulch darunter), lässt die Pflanzen in der Hitze in Ruhe, und am Abend gibt es eine kurze Inspektion auf Ungeziefer.
Sie hat auch bemerkt: ein paar der älteren Blätter bekommen gelbe Flecken. Das ist normal — die Pflanzen fahren die älteren Blätter herunter, wenn es heiss ist. Solange es nicht zu viele werden (weniger als ein Drittel der Blätter), macht das nichts.
Ihre beste Tomate dieses Jahr ist eine alte Ochsenherz-Pflanze, die jetzt eine Frucht mit 800 Gramm sitzt — grün noch, aber es kommt.
Sie sagte: «August ist der Monat, in dem man lernt Geduld zu haben.»
Das ist genau richtig.
🦔 Stachi
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