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26. Oktober 2026 · von Stachi · 3 Min Lesezeit

Kompost im Herbst richtig ansetzen: 3 Teile Laub, 1 Teil Küchenabfall

Frau Schneiders Komposthaufen lag letzten Winter einfach nur da. Kein Dampf an kalten Morgen, keine Wärme, keine Verrottung — nur ein Berg trockener Blätter, der sich bis März kein bisschen verändert hat. Das Problem war nicht die Geduld. Es war das Mischungsverhältnis.

Frau Schneider hat letzten Oktober einen stattlichen Haufen Laub und Beetreste hinter ihrem Hochbeet aufgeschichtet. Im März hat sie ihn mit der Grabegabel auseinandergezogen, in der Erwartung, dunklen, krümeligen Humus zu finden. Stattdessen lagen da fünf Monate alte Blätter — trocken, platt, praktisch unverändert. «Der hat ja gar nichts gemacht», hat sie gesagt, fast beleidigt. Hat er aber doch versucht. Ihm hat nur gefehlt, was jeder Kompost zum Arbeiten braucht.

Warum ein Haufen aus reinem Laub nie warm wird

Verrottung ist Mikroben-Arbeit, und Mikroben brauchen zum Fressen zwei Dinge gleichzeitig: Kohlenstoff und Stickstoff. Trockenes Laub, Stroh, Pappe — das sind die kohlenstoffreichen «Braunen». Frische Küchenabfälle, Rasenschnitt, abgeräumte Tomatenstauden — das sind die stickstoffreichen «Grünen». Nur Braunes aufgeschichtet, wie bei Frau Schneider, und die Mikroben haben zwar Masse, aber keinen Treibstoff. Der Haufen bleibt kalt, trocken und fast unverändert liegen, manchmal über Jahre.

Das Verhältnis, das wirklich funktioniert

Als Faustregel reichen drei Teile Braun auf ein Teil Grün, nach Volumen geschätzt, nicht nach Gewicht. Im Oktober hast du die Braunen im Überfluss — Laub, abgestorbene Stauden, trockenes Stroh vom Mulchen. Die Grünen kommen über den Winter nach und nach dazu: Gemüseschalen aus der Küche, Kaffeesatz, die letzten Reste aus dem Hochbeet, die du jetzt beim Aufräumen rausziehst.

So schichtest du im Oktober konkret:

  1. Unterste Schicht grob und locker. Ein paar Hand voll Zweige oder ungehäckseltes Stroh direkt auf die Erde, damit von unten Luft durchkommt. Ohne diese Schicht verdichtet sich der Haufen von selbst und fault statt zu kompostieren.
  2. Dann abwechselnd Braun und Grün, Lage für Lage. Eine Hand breit Laub, eine Hand breit Küchenabfälle oder frischer Grünschnitt, wieder Laub. Du musst nicht exakt messen — schon zwei bis drei Lagen von jedem reichen, um die Mikroben in Gang zu bringen.
  3. Feuchtigkeit prüfen mit der Faust. Nimm eine Hand voll aus der Mitte des Haufens und drück sie zusammen. Tropft Wasser raus, ist es zu nass — mehr Braunes rein. Zerfällt sie staubtrocken, ist es zu trocken — eine Giesskanne Wasser drüber. Richtig ist, wenn sie sich anfühlt wie ein ausgewrungener Schwamm: feucht, aber nichts tropft.
  4. Geschreddertes verrottet schneller als Ganzes. Einmal mit dem Rasenmäher über den Laubhaufen fahren, bevor er in den Kompost kommt, verkürzt die Wartezeit um Wochen. Genau der gleiche Trick, den ich schon für Laub direkt im Hochbeet beschrieben hab — hier nachzulesen, falls du noch nicht alles verteilt hast.

Woran du merkst, dass es funktioniert

Ein gut gemischter Haufen fängt innerhalb von ein bis zwei Wochen an, selbst Wärme zu produzieren. An kalten Morgen siehst du dann tatsächlich leichten Dampf aus der Mitte aufsteigen, wenn du die Hand reinhältst, ist es dort spürbar wärmer als aussen. Das ist keine Einbildung, sondern echte mikrobielle Aktivität — ein Zeichen, dass das Verhältnis stimmt und der Prozess läuft, auch wenn es draussen schon Richtung Frost geht.

Was du im Herbstkompost besser nicht hast

Kranke Pflanzenreste gehören nicht rein — Tomaten oder Kartoffeln mit Krautfäule überleben den Kompostierungsprozess oft und stecken dir im Frühling die neue Pflanzung wieder an (mehr dazu in Krautfäule: was ist das eigentlich?). Walnuss-Laub meiden, aus dem gleichen Grund wie beim direkten Mulchen. Und Essensreste mit Fleisch, Fisch oder Milchprodukten ziehen über Winter zuverlässig Ratten an — die bleiben lieber in der Gemeinde-Grünabfuhr.

Was Erntezeit damit macht

Wann dein Kompost fertig und reif genug für die neue Pflanzsaison ist, hängt stark vom Winter ab — aber dein Jahresplan zeigt dir schon jetzt, welche Flächen im Frühling als erstes wieder bepflanzt werden und wo frischer Kompost deshalb am meisten bringt.

Jahresplan für dein Hochbeet erstellen →

Frau Schneiders zweiter Versuch sieht schon nach zehn Tagen anders aus: beim Reinfassen ist es im Kern deutlich wärmer als an der Luft, und die obersten Küchenabfälle von letzter Woche sind kaum noch zu erkennen. Sie hat mir geschrieben, dass sie jetzt extra Kaffeesatz von der Nachbarin sammelt, nur um genug Grünes für den Winter zu haben. Ein Igel, der um Kaffeesatz bettelt — so weit ist es mit mir gekommen.

🦔 Stachi

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