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30. April 2026 · von Stachi · 9 Min Lesezeit

Aussaatkalender Mai — was diese Woche rein darf

Mai ist der dichteste Monat im Gartenjahr — vor den Eisheiligen anders als danach. Ich mach mir jede Woche eine Liste. Hier ist sie.

Mai ist der Monat, in dem ich morgens aufwache und nicht genau weiss, ob ich heute säe, pflanze oder warte. Zu viel passiert auf einmal. Die Sonne macht Dinge mit einem, die man bereut, wenn man seine Tomatensetzlinge am 12. Mai schon rausgestellt hat und dann in der Nacht zum 13. Bodenfrost kommt.

Darum mache ich mir einen Wochen-Kalender. Nicht weil ich es mag, Listen zu schreiben, sondern weil ich ohne Liste im April kaufe, im Mai zu früh pflanze und im Juni vor leeren Beeten stehe und nicht weiss warum.

Hier ist mein Mai-Kalender. Konkret, wochenweise, mit allem was ich weiss — und allem was andere gerne zu früh machen.


KW 18 — Anfang Mai (4. bis 10. Mai)

Der Mai fängt kühl an. In Berikon (Schweizer Mittelland, Zone 8a) liegen die Nachtemperaturen Anfang Mai noch regelmässig bei 4-6°C. Das fühlt sich warm an, ist aber nicht warm genug für alles.

Was jetzt gesät werden kann:

  • Möhren — Direktsaat, Reihenabstand 20 cm, dünn streuen. Möhren keimen bei 8-10°C Bodentemperatur, und die ist in einem Hochbeet (das sich schneller erwärmt als ebener Boden) meist schon erreicht. 4-5 Wochen bis zum Aufgehen, also keine Panik wenn erst nichts kommt.

  • Radieschen — Nachsaat — wenn du im März gesät hast, leerst du jetzt gerade die erste Reihe. Sofort nachsäen. Radieschen brauchen 3-4 Wochen, also passt noch eine oder zwei Ernten in die Saison.

  • Mangold — eine der unkompliziertesten Pflanzen überhaupt. Keimt zuverlässig, wächst schnell, und wer einmal Mangold vorbeibringt, erntet bis in den Oktober.

  • Pak Choi — jetzt noch, bevor es wärmer wird. Pak Choi schiesst bei Hitze sofort in die Blüte — sprich: er wird geniessbar und schmeckt danach bitter. Frühjahrs-Fenster nutzen.

  • Erbsen (späte Sorten) — wer noch nicht gesät hat, jetzt oder nie. Erbsen mögen Kühle und blühen schlecht bei über 22°C. Noch diese Woche rein, dann klappt das.

  • Salat — Nachsaat — wie die Radieschen: wer im März/April gesät hat, sät jetzt die zweite Welle. Verschiedene Sorten wählen: Butter-, Pflück-, Eisbergsalat — dann nicht alles gleichzeitig reif.

Was noch warten muss:

Tomaten, Paprika, Auberginen bleiben drin. Kein Diskutieren. Tagestemperaturen von 18°C sehen verlockend aus, aber Bodenfrost ist Anfang Mai noch möglich — besonders in erhöhten Lagen und in Norddeutschland.

Was gepflanzt werden kann:

Erdbeeren-Setzlinge sind robust genug. Wurzeln gut andrücken, ein paar Tage gut wässern, dann läuft's.


KW 19 — Mitte Mai / kurz vor den Eisheiligen (11. bis 15. Mai)

Jetzt wird's interessant. Die Eisheiligen stehen vor der Tür. Was es damit genau auf sich hat, hab ich in einem eigenen Post aufgeschrieben. Kurz: zwischen dem 11. und 15. Mai gibt es im deutschsprachigen Raum traditionell die letzte Frostperiode des Jahres. Das ist kein Märchen — das sind Statistik und Luftströmungen.

Was jetzt gesät werden kann:

  • Bohnen (Direktsaat) — jetzt schon, wenn die Nächte deutlich über 8°C bleiben. Bohnen mögen keine Kälte um den Keimling, aber bei stabilen 10-12°C in der Nacht funktioniert's. Im Zweifelsfall noch ein paar Tage warten.

  • Dill — der unterschätzte Alleskönner. Sehr schnell, sehr robust, und er lockt Nützlinge an. Einfach streuen, kaum bedecken, eine Woche später keimt er.

  • Borretsch — wer ihn mag: jetzt. Borretsch selbstsät sich gerne, also wenn du eine Stelle hast wo er im nächsten Jahr wieder kommen darf, lass ihn blühen und Samen fallen.

Was noch wartet:

Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Basilikum — alle warten auf nach den Eisheiligen. Auch wenn dein Nachbar sie schon rausgestellt hat. Vor allem wenn dein Nachbar sie schon rausgestellt hat.


KW 20 — Die Eisheiligen (11.–15. Mai, Wendewochen)

Diese Woche ist zweigeteilt.

Vor den Eisheiligen: letzte Chance für Kältekulturen

Was noch nicht gesät ist und Kälte mag — jetzt noch schnell:

  • Kohlrabi — robust, schnell, braucht Platz nach unten
  • Spinat-Nachsaat — wenn der erste Spinat schon Blütenansätze hat, direkt daneben neue Reihe
  • Feldsalat — der schönste Lückenfüller; keimt auch bei 6°C noch

Danach kommen die warmen Kulturen, und dann brauchst du den Platz.

Nach den Eisheiligen: warme Kulturen ohne Schutz

Sobald der 15. Mai überstanden ist — wirklich überstanden, nicht "wahrscheinlich" — gilt:

Tomaten, Paprika, Auberginen können raus. Ohne Vlies. Ohne Zögern.

Das ist der Moment, auf den du seit Februar wartest. Die Setzlinge die 6-8 Wochen auf der Fensterbank gestanden haben, die jetzt etwas blass und gestreckt wirken: ab in die Erde. Ein paar Tage akklimatisieren (morgens kurz raus, abends wieder rein) macht sie stabiler, ist aber bei stabilen Nächten über 10°C kein Muss.


KW 21 — Mitte bis Ende Mai (18. bis 24. Mai)

Jetzt läuft der Motor. Wer es bis hierhin richtig gemacht hat, pflanzt jetzt mit vollem Rückenwind.

Tomaten raus, wenn nicht schon diese Woche erledigt. Tiefe eingraben — Tomaten bilden am Stengel Wurzeln, also ruhig ein Drittel der Pflanze vergraben. Das gibt stabilere Pflanzen.

Gurken — Setzlinge oder Direktsaat. Gurken sind empfindlich beim Verpflanzen (Staunässe mögen sie nicht), daher wenn Direktsaat: gleich an Ort und Stelle, nicht umpflanzen.

Zucchini — eine Pflanze pro 60×60 cm Fläche. Ich meine das ernst. Eine einzige Zucchini-Pflanze produziert mehr als eine dreiköpfige Familie in einem Sommer verarbeiten kann. Zwei Pflanzen: du verschenkst Zucchini. Drei Pflanzen: du hast ein Problem.

Kürbis — wenn du den Platz hast. Kürbis braucht 1×1 m oder mehr. Nicht für kleine Hochbeete, aber wer ein grosses Beet hat oder den Kürbis über den Rand klettern lassen will: jetzt.

Mais (Direktsaat) — in wärmeren Lagen ab jetzt möglich. Mais braucht Wärme und Wind-Bestäubung, also mindestens 3×3 Pflanzen in einem Block setzen, nicht in einer Reihe.

Basilikum direkt ins Beet — ab KW 21 möglich, wenn die Nächte stabil über 12°C sind. Basilikum ist trotz allem empfindlich. Wer auf Nummer sicher gehen will: noch eine Woche warten.


KW 22 — Ende Mai (25. bis 31. Mai)

Letzte Chance für einige Sachen. Wer jetzt noch nicht gepflanzt hat, verliert Wochen.

Bohnen — letzte Direktsaat möglich. Bohnen brauchen 60-70 Tage bis zur Ernte, also bei Saat Ende Mai erntest du Ende Juli / Anfang August. Das reicht noch gut.

Zucchini-Nachpflanzung — wer schon eine Pflanze hat und die erste eingegangen ist: Nachpflanzen jetzt noch möglich.

Alle wärmeliebenden Pflanzen müssen raus. Jeder Setzling der noch drinnen steht auf dem Fensterbrett streckt sich Richtung Licht und verliert Substanz. Besser ein leicht gestresstes Draussen als ein verweichlichtes Drinnen.

Und: Lücken füllen. Wo die Radieschen fertig sind, kommen Möhren hin. Wo die Erbsen abgeerntet wurden, kommen Bohnen oder Pak Choi. Ein leeres Hochbeet ist verschwendete Fläche.


Tabelle: Was geht wann im Mai?

Pflanze KW 18 KW 19 KW 20 KW 21 KW 22
Möhren (Saat)
Radieschen (Saat)
Salat (Saat)
Spinat (Saat) ✅ (vorher)
Mangold (Saat)
Pak Choi (Saat)
Erbsen (Saat)
Kohlrabi (Saat) ✅ (vorher)
Feldsalat (Saat) ✅ (vorher)
Dill (Saat)
Bohnen (Saat) ✅* ✅ (nachher)
Basilikum (Saat) ✅*
Erdbeeren (Pflanzen)
Tomaten (Pflanzen) ✅ (nachher)
Paprika (Pflanzen) ✅ (nachher)
Aubergine (Pflanzen) ✅ (nachher)
Gurken (Pflanzen)
Zucchini (Pflanzen)
Kürbis (Pflanzen)
Mais (Saat) ✅*

✅ = jetzt möglich · ❌ = zu früh, Frostrisiko · — = nicht mehr sinnvoll oder zu spät * = je nach Nachttemperatur, Lage prüfen


Wenn du in Krems, München oder Oslo wohnst

Dieser Kalender ist auf das Schweizer Mittelland (Zone 8a, Berikon) abgestimmt. Aber Gartenzonen verschieben sich — und das nicht wenig.

Krems an der Donau (pannonisches Klima, Zone 8a aber kontinentaler): Letzter Frost oft schon Anfang Mai. Tomaten gehen dort theoretisch schon KW 19 raus, wenn die Wettervorschau stimmt. Aber Vorsicht: kalte Nächte kommen im pannonischen Raum auch noch Mitte Mai sporadisch vor.

München (Zone 7b, alpiner Einfluss): Bodenfrost bis Ende Mai in manchen Jahren. Ich würde dort erst KW 21 mit Tomaten rausgehen — lieber eine Woche sicherer.

Norddeutschland (Hamburg, Bremen, Zone 8a mit atlantischem Einfluss): Mildere Winter, aber unberechenbare Frühjahre. Letzter Frost statistisch ähnlich wie Schweizer Mittelland, aber mit mehr Varianz.

Österreichische Alpentäler (Innsbruck, Zone 7b): Bis in den Juni möglich. Tomaten raus erst KW 22 oder sogar später.

Das Muster: je kontinentaler oder alpiner der Standort, desto später. Wie man den genauen Frosttermin für seinen Standort ermittelt, hab ich hier aufgeschrieben.

Erntezeit rechnet das automatisch aus: PLZ eingeben → 10 Jahre Open-Meteo- Frostdaten → dein persönlicher letzter Frosttermin auf die Woche genau. Keine Schätzung, kein Mittelwert aus einem deutschen Gartenmagazin das nicht weiss wo du wohnst.


Was ich aus 3 Jahren falsch-gepflanzten Tomaten gelernt habe

Ich habe in meinen ersten Garten-Jahren immer zu früh gepflanzt. Mai ist warm, die Sonne verlockt, man sieht die Setzlinge auf der Fensterbank und denkt: die wollen raus. Das stimmt — aber ihr Wollen ist nicht das Mass aller Dinge.

Einmal hat mich eine Frostnacht am 13. Mai alle fünf Tomatensetzlinge gekostet. Fünf Setzlinge, acht Wochen Voranzucht, eine Nacht. Das ist die Lektion, die man einmal erlebt und nie vergisst.

Seitdem mache ich mir diese Liste. Nicht weil ich pedantisch bin, sondern weil ich nicht nochmal fünf Setzlinge verlieren will.


Mai ist intensiv — aber planbar

Wer weiss was wann rein darf, hat im Mai kein Chaos. Man muss nicht jeden Tag raten. KW 18: Möhren und Radieschen. KW 19: Bohnen und Dill. KW 20: die Wende. KW 21: alles Warme raus. KW 22: Lücken füllen und fertig.

Das ist der ganze Mai.

Wenn du möchtest dass Erntezeit diese Liste für deinen Standort, dein Beet und deine Pflanzenwahl automatisch generiert — inklusive der richtigen Kalenderwochen für dein Klima:

Jetzt kostenlos planen → /de/planer/standort

Pflanz was Schönes. Und warte auf die Eisheiligen.

🦔 Stachi


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