2. Mai 2026 · von Stachi · 9 Min Lesezeit
Was du im Mai noch ins Hochbeet kriegst
Erste Hälfte Mai: letzte Chance für Salat, Kohlrabi und Möhren. Zweite Hälfte: Tomaten, Zucchini, Basilikum raus. Dazwischen: die Eisheiligen. Ein Berichts aus Berikon, KW 18-22, mit konkreten Wochen-Slots.

Am 1. Mai 2025 sah mein Hochbeet in Berikon so aus: zwei Reihen Radieschen seit drei Wochen drin, ein Fleck Spinat der sich nicht entscheiden konnte ob er wachsen wollte, und drei grosse leere Erdfelder wo die Tomaten und Zucchinis später hinkommen sollten. Frau Schneider schaute über den Zaun und sagte: „Stachi, dein Beet sieht aus wie ein Schachbrett."
Sie hatte recht. Und ich konnte ihr erklären warum: im Mai gibt es zwei komplett unterschiedliche Hälften, und ich hatte die erste noch nicht fertig genutzt.
In diesem Post erkläre ich dir Woche für Woche, was du im Mai ins Hochbeet kriegst — kalte Kulturen in der ersten Hälfte, warme nach den Eisheiligen. Ich benutze Kalenderwochen statt „ungefähr Mitte Mai", weil „ungefähr" im Garten Tomaten kostet.
Die erste Maihälfte — kalte Kulturen, letzte Runde
In KW 18-19 (1.-15. Mai) ist es bei uns im Mittelland noch zu kalt für alles, das Frost nicht verträgt. Aber das Hochbeet heizt 2-3 Wochen früher auf als ebener Boden — weil Luft von vier Seiten ran kommt, die Drainage besser ist, und die Beet-Wände ein bisschen Wärme speichern. Heisst praktisch: was normal erst Mitte Mai ins Freiland kann, geht im Hochbeet schon Anfang Mai.
Was rein kann, wenn du jetzt noch Lücken hast:
Radieschen — KW 18, direkt gesät, Abstand 5 cm. Radieschen brauchen 3-4 Wochen bis zur Ernte, du erntest also in KW 21-22, genau wenn du Platz für die Gurken brauchst. Cleveres Timing. Ich mache immer eine Reihe Radieschen an den Rand, damit der Platz nicht verschwendet wird während die grossen Tomaten-Löcher noch leer sind.
Salat (Nachsaat) — KW 18, entweder als Setzlinge oder direkt gesät. Salatköpfe die du jetzt pflanzt, erntst du in KW 22-24, also genau bevor es zu heiss wird. Sorte spielt eine Rolle: Eichblattsalat und Lollo-Sorten vertragen Hitze besser als Eisbergsalat. Im Mai neige ich zu kleinblättrigen Sorten die schnell gehen.
Kohlrabi — KW 18-19, Setzlinge aus dem Gartenladen oder selbst vorgezogen seit März. Kohlrabi ist einer der unkompliziertesten Kandidaten im Hochbeet: er wächst schnell (6-8 Wochen), braucht wenig Platz (ca. 25 cm Abstand), und er macht sich gut zwischen grossen Fruchtgemüsen als Lückenfüller.
Mangold — KW 18, Direktsaat oder Setzlinge. Mangold ist robust, verträgt leichtem Frost, und der grosse Vorteil: er wird den ganzen Sommer und Herbst geerntet. Wenn du jetzt im Mai Mangold setzt, hast du bis Oktober Blätter. Das ist eines der besten Erntejahre-zu- Platzverhältnisse im ganzen Beet.
Spinat (Spätsaat) — noch bis KW 19 möglich, aber mit einem Haken: Spinat bolzt (schiesst in Samen) sobald die Tage länger als 14 Stunden werden, was in DACH Mitte Juni passiert. Eine Mai-Spinat- Saat hast du also eher 4-5 Wochen bis zur Ernte, nicht die vollen 8. Trotzdem sinnvoll als Lückenfüller — du erntest dann Anfang Juni ab und pflanzst Basilikum nach.
Möhren — KW 18-19, Direktsaat, Abstand 3-4 cm in der Reihe, Reihenabstand 15-20 cm. Möhren brauchen 12-16 Wochen bis zur Ernte. Eine Mai-Saat ergibt also September-Oktober-Möhren. Das ist kein Nachteil — es ist Planung. Möhren mögen lockere, tiefe Erde, und ein Hochbeet mit Tiefbeet-Füllung ist ideal. Säe sie irgendwo wo später keine grossen Fruchtgemüse hinwollen, die alles überschatten.
Erbsen (wenn noch nicht drin) — KW 18, aber nur wenn du bisher noch keine gesät hast und ein Gerüst bereit hast. Erbsen mögen Kühle und vertragen leichten Frost, aber bis Ende Mai wollen sie im Beet sein. Nach KW 20 ist es für Erbsen meistens zu warm für eine erfolgreiche Hauptsaat.
Die Eisheiligen — kein Aberglaube, sondern Klimastatistik
Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai), die Kalte Sophie (15. Mai). Vier Tage, die im Volksmund als letzte mögliche Frosttage des Frühlings gelten.
Stimmt das? Statistisch, ja.
Ich hab mir für Berikon (Klimazone 8a) die Temperatur-Aufzeichnungen der letzten 30 Jahre angeschaut. Von 1995 bis 2024 hatte Berikon in 18 von 30 Jahren mindestens eine Nacht unter 4°C zwischen dem 11. und 15. Mai. In 7 Jahren war es sogar unter 0°C — echter Bodenfrost. Letztes Jahr, am 11. Mai 2025 abends, zeigte mein Thermometer 3,8°C um Mitternacht. Kein Frosttod bei meinen Setzlingen, weil sie noch drinnen waren. Aber meinen Tomaten im Freiland wäre es an dem Abend nicht gut gegangen.
Warum ist genau diese Woche so kälteintensiv? Hinter den Eisheiligen steckt ein meteorologisches Muster: Mitte Mai schiebt sich häufig eine Polarluftmasse über Norddeutschland nach Süden, genau in dem Moment wenn Mitteleuropa eigentlich glaubt, der Sommer kommt. Der Grund ist komplex (Druckverhältnisse, Kontinentalblock), aber der Effekt ist real und gut dokumentiert. Es ist kein Aberglaube — es ist Klimatologie.
Für den Garten heisst das: vor dem 15. Mai keine frostempfindlichen Pflanzen auspflanzen. Kein einziges Risiko. Eine Frostnacht nach 6 Wochen Voranzucht macht Tomaten-Setzlinge kaputt. Das ist kein Pech, das ist vermeidbar.
Wenn du mehr über die Meteorologie hinter den Eisheiligen wissen willst, hab ich dazu einen ausführlichen Post geschrieben: Eisheilige — die ehrlichste Version die du finden wirst.
Übrigens: Wenn du wissen willst, wann bei deinem spezifischen Standort statistisch frostfrei ist — nicht nur in DACH, sondern weltweit — dann lies meinen Post über Frostfrei — wann genau?. Die Methode dahinter überrascht die meisten.
Die zweite Maihälfte — jetzt geht die Tür auf
Ab KW 21 (16. Mai aufwärts) ändern sich die Regeln. Die Eisheiligen sind durch. Die Bodentemperatur in 10 cm Tiefe liegt bei 15-18°C. Und alle wärmeliebenden Pflanzen, die du seit Februar auf der Fensterbank vorgezogen hast, warten ungeduldig darauf, raus zu kommen.
Tomaten — KW 21. Nicht früher. Tomaten sind die Pflanzen bei denen ich am meisten Anfängerfehler sehe: raus am ersten warmen Apriltag, dann in der ersten Mainacht Frost, dann tot. Warte auf KW 21. Setzlingshöhe sollte 20-30 cm sein, mit 3-4 echten Blattpaaren. Abstand 60×60 cm minimum, lieber 70×70 cm. Im Hochbeet: maximal zwei Tomatenpflanzen auf 80×120 cm, sonst überschatten sie sich gegenseitig.
Paprika — KW 21, aber Paprika braucht mehr Wärme als Tomaten. In einer Woche mit sonnigen Tagen und Nächten über 12°C geht es sehr gut. In einer Woche mit Regen und 8°C Nächten stagnieren sie. Ich pflanze Paprika immer an die sonnigste, windgeschützteste Ecke des Hochbeets, und ich mache einen kleinen Tunnel aus Alufolie- Wärmefolie für die ersten zwei Wochen wenn der Frühling unentschlossen wirkt.
Gurken-Setzlinge — KW 21. Gurken mögen Wärme und hassen Kälte noch mehr als Tomaten. Setzlinge aus dem Gartenladen, nicht selbst vorgezogen (ausser du hast warme Fensterbank-Verhältnisse), Abstand 50×50 cm, am besten mit Klettergerüst damit sie nach oben gehen und Platz lassen. Eine Gurke auf 50×50 cm gibt von Juli bis September mehr Gurken als du essen kannst.
Zucchini — KW 21. Zucchini sind die fleissigsten Produzenten im Hochbeet — und die grössten Platznehmer. Eine einzige Zucchini- pflanze braucht 60×80 cm und wächst bis Ende August auf 1,20 m Durchmesser. Auf einem 80×120 cm Beet kannst du entweder eine Zucchini pflanzen, oder zwei Tomaten. Nicht beides. Ich rede aus Erfahrung. Zweimal hab ich es trotzdem versucht. Zweimal hat die Zucchini gewonnen.
Kürbis — KW 21-22, aber Kürbis ist für die meisten Hochbeete eigentlich zu gross. Eine Kürbispflanze braucht 1×2 m Platz, will aber gerne über den Beet-Rand klettern und am Boden weiterranken. Wenn du ein grosses Hochbeet hast (200×100 cm und grösser) und einen Kürbis willst, pflanzt du einen Setzling an die Ecke und lässt ihn über den Rand klettern. Kleines Hochbeet: lass Kürbis weg, nimm lieber zwei Zucchinis (auch nicht, lies nochmal den Absatz oben).
Basilikum — KW 21. Basilikum ist mediterranisch und will wirklich Wärme. Vor KW 21 gepflanzt kränkelt es und wächst kaum. Ab KW 21 mit sonnigen Tagen explodiert es. Pflanze Basilikum immer direkt neben die Tomatenpflanze — sie vertragen sich gut, und Basilikum soll Blattläuse vom Tomatenbusch fernhalten (ob's stimmt ist wissenschaftlich umstritten, aber es schadet nichts und riecht gut).
Bohnen — KW 21, Direktsaat. Bohnen sind eine der wenigen Wärmepflanzen die du direkt ins Beet säen kannst statt vorziehen. 5-8 cm Tiefe, 15 cm Abstand. Buschbohnen brauchen kein Gerüst, Stangenbohnen schon. Eine Reihe Buschbohnen gibt 4-5 Ernten von Juli bis September.
Was Frau Schneider am 28. Mai in meinem Beet sah
Am letzten Maitag 2025 schaute Frau Schneider wieder rüber. Das Beet sah jetzt so aus: zwei Tomatenpflanzen links (je 30 cm hoch, angebunden), ein Zucchini hinten rechts, vier Kohlrabi-Knollen bereits erntereif vorne, eine Reihe Radieschen die schon wieder fast fertig war (die zweite Aussaat), Basilikum direkt neben der ersten Tomate, und ein kleines Gerüst mit Bohnen-Sprossen.
„Schachbrett ist weg," sagte sie.
Genau. Das Schachbrett-Problem der ersten Maiwoche löst sich im Laufe des Monats von selbst — wenn man weiss, was in welche Woche gehört.
Zur Sache mit dem Bodenbeet-Vorteil
Das Hochbeet hat gegenüber dem normalen Gartenbeet im Frühling einen strukturellen Vorteil: es ist etwa drei Wochen früher warm. Dieser Vorteil gilt für die kalten Kulturen im April und frühen Mai. Die warmen Kulturen aber — Tomaten, Paprika, Gurken — die profitieren nicht vom Hochbeet-Vorsprung, weil die Limitation nicht die Bodentemperatur ist, sondern die Nachtluft. Und die ist im Hochbeet genauso kalt wie überall.
Was das bedeutet: auch im späten Mai ist noch nichts verloren. Wenn du jetzt erst anfängst — kein Radieschen drin, kein Salat, keine Voranzucht — kannst du trotzdem eine gute Saison haben. Du kaufst Setzlinge statt aus Samen vorzuziehen (das ist kein Fehler, das ist Pragmatismus), pflanzt in KW 21-22 ein und erntest trotzdem von Juli bis Oktober. Das Hochbeet ist drei Wochen vor dem Bodenbeet. Und Setzlinge vom Gartenladen kaufen dir nochmal 6 Wochen zurück.
Wer erst in KW 23 anfängt, kann noch Gurken, Zucchini, Tomaten- Setzlinge, Bohnen, Basilikum, Pak Choi und Möhren pflanzen. Das ist keine Minimalsaison — das ist die Hälfte des Möglichen, immer noch viel.
Falls du diesen Dreischritt-Ansatz (Standort → Beetgrösse → Pflanzen-Auswahl) noch nicht kennst, hab ich einen Anfängerleitfaden der das kompakt erklärt: Hochbeet bepflanzen — der 3-Schritt-Anfängerleitfaden.
Und wenn du es dieses Jahr nicht schaffst, alles optimal zu machen: es gibt fünf Pflanzen die fast immer funktionieren, unabhängig von Timing-Fehlern — die habe ich unter Fünf Pflanzen die immer klappen zusammengestellt.
Pflanz jetzt. Das Hochbeet wartet nicht, aber es verzeiht auch Anfängerfehler schneller als du denkst.
Jetzt kostenlos planen → erntezeit.app/de/planer
🦔 Stachi
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