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26. September 2026 · von Stachi · 5 Min Lesezeit

Erdflöhe an Radieschen und Rucola: stoppen, bevor aus den Blättern Siebe werden

Ende September ist die zweite Erdfloh-Generation unterwegs – und gerade die jungen Radieschen- und Rucola-Blätter sind ihr Lieblingsfutter. So erkennst du den Befall und hältst die Käfer draussen, ohne Chemie.

Frau Schneider kommt mit einem Radieschen-Blatt in der Hand zu mir an den Zaun. «Stachi, schau dir das an. Löcher wie mit der Lochzange. Und gestern sassen kleine schwarze Punkte drauf, die sind gesprungen, als ich sie angestupft habe.»

Das sind Erdflöhe. Und wenn man sie jetzt, Ende September, einfach laufen lässt, hat man bald keine Blätter mehr – nur noch Siebe.

Was Erdflöhe sind (und was sie nicht sind)

Erdflöhe sind Käfer, zwei bis drei Millimeter klein, glänzend schwarz oder bronzefarben. Sie heissen so, weil sie springen wie Flöhe, wenn man sich nähert. Verwandt sind sie mit den Blattkäfern, nicht mit den Flöhen, die auf Katzen sitzen.

Sie fressen kleine, runde Löcher in die Blätter – Botaniker nennen das Schrotschuss, weil es aussieht wie Schrotkugeln in einem Schiessscheibenbild. Besonders schlimm trifft es die Kreuzblütler: Radieschen, Rucola, Senf, Pak Choi, Kohlrabi, Brokkoli, alle Kohlarten und den Rettich.

Was sie nicht tun: Sie fressen keine Wurzeln von Möhren oder Tomaten. Wenn deine Möhren Löcher haben, ist es etwas anderes. Die Erdflöhe bleiben bei der Kohlfamilie.

Warum es jetzt im Herbst nochmals losgeht

Erdflöhe haben zwei Hauptwellen. Die erste im Frühling, April bis Mai, wenn die überwinterten Käfer aus der Bodenstreu kommen und die ersten Radieschen-Aussaaten finden. Die zweite im Spätsommer und Herbst, August bis September, wenn die neue Generation schlüpft.

Beide Wellen haben dasselbe Wetterprogramm: warm und trocken – dann fressen sie am meisten. Regen und Kühle bremsen sie spürbar. Deshalb ist ein trockener, warmer September wie dieser für die Käfer ein gutes Jahr.

Gegen Ende September lässt die Aktivität langsam nach. Sobald die Tagestemperaturen dauerhaft unter etwa zehn Grad fallen, wird es ruhig – die Käfer suchen ihre Winterquartiere. Das ist deine Chance: Was du jetzt säst, hat eine reelle Chance durchzukommen, wenn du es schützt.

Nur: Genau die jungen Blätter, die du jetzt ziehst, sind am empfindlichsten. Ein frisch aufgelaufenes Radieschen hat zarte Keimblätter, und wenn zwanzig Käfer darauf sitzen, ist es nach zwei Tagen weg.

Erkennen, ohne zu raten

Der Befund ist meist eindeutig, wenn man weiss, worauf man schauen muss:

  • Runde Löcher von ein bis zwei Millimetern, oft in der Blattmitte, nicht am Rand abgefressen wie bei Schnecken.
  • Sitzt man in der Nähe, springen kleine schwarze Punkte auf, wenn man die Pflanze berührt.
  • Bei starkem Befall sieht das Blatt aus wie ein Sieb, die Pflanze wächst kaum noch.
  • Am schlimmsten sind die Keimblätter direkt nach dem Auflaufen betroffen.

Ein Gegencheck: Schnecken fransen Blätter vom Rand her aus. Erdflöhe stanzen mitten durch. Wenn du das unterscheidest, hast du die halbe Diagnose.

Die eine Massnahme, die sicher wirkt: das Netz

Wenn ich nur eine Sache empfehlen darf, ist es das Kulturschutznetz.

Ein feinmaschiges Netz – Maschenweite 1,3 Millimeter oder kleiner – lückenlos über das Beet, am besten direkt nach der Aussaat. Die Käfer sind zu gross, um durchzukommen, und sie hüpfen nicht unter dem Rand durch, solange das Netz rundum am Boden anliegt.

Drei Regeln, sonst wirkt es nicht:

  1. Vor dem Auflaufen spannen. Ist die Pflanze erst befallen, nützt das Netz nur noch halb.
  2. Lückenlos am Boden abschliessen. Steine, Erdwälle oder Erdnägel an allen Rändern. Ein Fingerbreit Loch reicht, und die Käfer finden es.
  3. Beim Giessen dranlassen. Kurz anheben, giessen, sofort wieder sauber schliessen.

Das Netz hilft übrigens auch gegen die Kohlweisslings-Raupe und die Möhrenfliege. Es ist die Investition, die sich über die ganze Saison zurückzahlt.

Was sonst noch hilft (in dieser Reihenfolge)

Feucht halten. Erdflöhe lieben trockene, warme Oberflächen. Wenn du morgens giest und den Boden gleichmässig feucht hältst, sinkt der Befallsdruck sofort. Mulchen mit feinem Material hält die Oberfläche feucht – mit dem Nachteil, dass es auch Schnecken gefällt.

Fangpflanzen setzen. Säe ein paar Reihen Senf oder Rucola bewusst am Beetrand, ausserhalb der Kultur. Die Käfer gehen zuerst dorthin. Wenn sich die Fangpflanze füllt, deckst du sie mit dem Netz ab oder ziehst sie raus.

Gelbtafeln. Die klebrigen Tafeln fangen Erdflöhe, aber nur begrenzt. Als Frühwarnsystem, nicht als alleinige Lösung. Wenn die Tafel nach zwei Tagen voll ist, weisst du: der Druck ist hoch.

Boden sauber halten. Erdflöhe überwintern in Pflanzenresten und Bodenstreu. Räum Kohlstrünke und alte Blätter im Herbst ab, statt sie übers Beet zu spielen. Unkräuter aus der Kohlfamilie, allen voran das Hirtentäschel, müssen weg – dort sitzen die Käfer gern.

Laufkäfer fördern. Laufkäfer jagen Erdfloh-Larven im Boden. Ein Beet mit Kompost, Mulch und ohne Bodenbearbeitung im Winter hat mehr davon. Steinplatten oder ein altes Holzbrett als Versteck helfen.

Klebefolie zum Absammeln. Ein altes Brettchen mit einem Klebestreifen bestreichen und knapp über die Pflanzen halten, dann vorsichtig anstupsen. Die springenden Käfer bleiben oben kleben. Klingt bastelig, funktioniert aber bei kleinen Flächen.

Und Chemie?

Brauchst du nicht. Im Hausgarten gibt es keinen chemischen Pflanzenschutz gegen Erdflöhe, der im Verhältnis zum Schaden sinnvoll wäre. Alles, was hilft, ist Kulturführung: Netz, Feuchtigkeit, Fruchtfolge, Boden.

Wer gegen die Larven im Boden vorgehen will, kann mit Nematoden (Steinernema feltiae) arbeiten. Das funktioniert aber nur bei feuchtem Boden und über zwölf Grad Bodentemperatur – im Oktober ist es dafür meist zu spät. Weiter im Frühling, wenn du wieder Radieschen säst.

Fruchtfolge: der Fehler, der alles schlimmer macht

Erdflöhe sitzen auf Kohl. Wenn du nacheinander Kohl, Radieschen und Rucola auf dasselbe Beet setzt, züchtest du sie dir heran. Der Klassiker im Hochbeet: im Frühling Radieschen, im Herbst wieder Radieschen – und zwischen den beiden Jahren vermehren sich die Käfer ungestört am selben Platz.

Besser: Nach der Kohlfamilie ein Jahr etwas ganz anderes ins Beet. Salat, Möhren, Zwiebeln, Bohnen, Kräuter. Erst danach wieder Radieschen.

Der konkrete Plan für Ende September

Wenn du jetzt noch Rucola oder Radieschen säst:

  • Netz direkt nach der Aussaat, lückenlos, vor dem Auflaufen.
  • Morgens giessen, Boden gleichmässig feucht halten.
  • Dicht säen und später vereinzeln statt in Reihenlücken – dann fällt der Totalausfall einzelner Blätter weniger ins Gewicht.
  • Unkräuter aus der Kohlfamilie aus dem Beet jäten.
  • Nach dem Ernten im Herbst die Reste abräumen, nicht untergraben.

Wenn deine Radieschen schon befallen sind und die Blätter stark durchlöchert wirken, aber noch grün sind: giessen, feucht halten und abwarten. Sie wachsen weiter. Nur die Pflanze, die keine drei Blätter mehr hat, wird nichts mehr – die kannst du ziehen.

Frau Schneider hat sich für das Netz entschieden. Sie hat noch nie gern mit der Spritzflasche hantiert, und ihr Beet ist nur zwei Quadratmeter gross. Ich gehe davon aus, dass ich in drei Wochen ein Radieschen von ihr bekomme, mit einem Grinsen dazu.

🦔 Stachi

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