4. September 2026 · von Stachi · 5 Min Lesezeit
Radieschen im September: die letzte Aussaat vor dem Winter
September ist der letzte Monat, in dem Radieschen noch wirklich klappen. Die kühlen Nächte machen sie knackiger und schärfer als alle Sommer-Radieschen zuvor. Wer jetzt sät, erntet Mitte Oktober — kurz bevor alles aufhört.

Ich weiss, wann der Sommer wirklich vorbei ist. Nicht am 1. September, nicht wenn die Schulen beginnen, sondern wenn das Bodenwasser nach einem Regen nicht mehr bis zum nächsten Morgen weg ist. Wenn sich die Erde kühler anfühlt. Wenn der Tau morgens länger auf den Blättern bleibt.
Das ist der Moment, in dem Radieschen ihr Bestes geben.
Nicht im Juni, wenn alles zu heiss ist und sie in drei Tagen holzig werden. Nicht mal im Juli, wenn sie schnell sind aber leicht brennend. Sondern jetzt, im September, kurz vor dem Ende der Saison. Schärfer, knackiger, und mit einer Textur, die sich fast nach Frühling anfühlt — obwohl es Herbst ist.
Wer das verpasst, wartet bis April.
Warum Herbst-Radieschen besser schmecken
Radieschen entwickeln ihren Geschmack über Senföle — die Verbindungen, die für Schärfe und Frische zuständig sind. Bei grosser Hitze bildet die Pflanze diese Öle schnell und massiv: das Ergebnis sind scharfe, manchmal bittere Radieschen, die innerhalb von Tagen holzig werden.
Bei kühlen Temperaturen — zwischen acht und fünfzehn Grad Celsius, wie sie im September typisch sind — läuft die Entwicklung langsamer. Die Senföle bauen sich gleichmässiger auf. Das Ergebnis ist eine Schärfe mit mehr Tiefe, und Radieschen, die im Beet bleiben können, ohne sofort zu vergehen.
Obendrauf: kühle Nächte nach warmem Tag bedeuten weniger Transpiration. Die Radieschen bleiben praller, der Zelldruck ist höher. Das ist es, was Knackigkeit erzeugt.
Ein Radieschen aus dem September-Hochbeet und eines aus dem August-Hochbeet — das ist ein messbarer Unterschied. Den merkst du beim ersten Biss.
Das Fenster — kleiner als es scheint
In der Schweizer Mittellandlage ist das Aussaat-Fenster für Herbst-Radieschen ungefähr Anfang September bis Mitte September.
Danach keimt es noch, aber:
- Die Bodentemperatur fällt unter zehn Grad, die Keimung wird unzuverlässig
- Die Tage werden so kurz, dass das Wachstum fast stoppt
- Das Risiko, dass der erste Frost die jungen Pflanzen erwischt, steigt stark
Radieschen brauchen etwa fünfundzwanzig bis dreissig Tage von der Aussaat bis zur Ernte. Bei September-Aussaat heisst das: Ernte Anfang bis Mitte Oktober. Das ist noch gut. Wer im Oktober sät, isst vielleicht Radieschen im November — aber das ist ein Glücksspiel.
Also: jetzt ist der Moment. Nicht in einer Woche.
Welche Sorte du nehmen sollst
Nicht jede Sorte verträgt sich gleich gut mit Herbstbedingungen. Die klassischen Frühsorten, die auf frühes Wachstum und Schnelligkeit optimiert sind, sind meistens für Frühjahr und Sommer gezüchtet.
Für September-Aussaat empfehle ich:
- Münchner Bier — rund, weiss, mild und besonders fleischig. Einer der besten Herbst-Radieschen überhaupt. Verträgt kühlere Temperaturen gut.
- Riesenbutter — gross, blassgelb, sehr mild. Etwas langsamer als klassische rote Sorten, dafür weniger Neigung zum Holzigwerden.
- Saxa — der klassische rote Radieschen. Schnell, unkompliziert, funktioniert auch im September problemlos.
- French Breakfast — zylindrisch, rosa-weiss, mild. Schaut schön aus, und wächst auch bei nachlassendem Licht noch brauchbar.
Wer auf Lager verzichten will: ein Samenmix für Herbst-Radieschen, wie ihn viele Biogärtnereien anbieten, gibt dir automatisch eine Mischung sortenspezifisch abgestimmter Kandidaten.
Wie du im September aussäst
Radieschen wollen eine lockere, feinkrümelige Erde. Im September ist das oft kein Problem — nach dem Sommer ist das Hochbeet meist schon gut bearbeitet, und wenn du eine Kultur rausgenommen hast, musst du die Erde nur grob auflockern.
Der Ablauf:
- Stelle sicher, dass der Platz wirklich frei ist — keine Zucchini-Blätter mehr, keine liegenden Tomatenstäbe.
- Lockere die obere Schicht mit einer Harke auf. Kein tiefes Umgraben nötig.
- Mache Rillen von etwa einem Zentimeter Tiefe, dreizehn bis fünfzehn Zentimeter Abstand zwischen den Reihen.
- Lege die Samen im Abstand von fünf bis sieben Zentimetern. Enger spart Saatgut nicht — du musst dann mehr ausdünnen.
- Bedecke mit Erde, drücke leicht an, und giesse sanft mit einer Brause (kein starker Strahl, der die Samen wegschwemmt).
Keimung dauert bei Septembertemperaturen fünf bis zehn Tage — länger als im Mai, kürzer als gedacht.
Ausdünnen: Sobald die Keimblätter sichtbar sind, dünnst du auf acht bis zehn Zentimeter Abstand aus. Das klingt nach Verschwendung, ist es aber nicht. Zu enge Radieschen entwickeln keine vernünftige Knolle — die ganze Energie geht ins Blattwerk.
Giessen im Herbst — weniger als du denkst
Herbstregen übernimmt einen guten Teil der Arbeit. Pass aber auf: Staunässe schadet Radieschen. Wenn dein Hochbeet gut drainiert ist — was es bei guter Befüllung sein sollte — ist das kein Problem. Wenn aber Wasser nach einem Regen oben steht, sind Fäulnis an den Keimlingen die Folge.
Im September reicht es meistens, zweimal pro Woche zu schauen und nur zu giessen, wenn die obere Erdschicht wirklich trocken ist. In warmem September ist das öfter nötig. In einem kühlen, bedeckten September oft gar nicht.
Gleichmässige Feuchtigkeit ohne Extremen: das ist das Ziel. Genau das macht Radieschen knackig statt holzig.
Mulchen schützt vor frühem Frost
Die erste Frostnacht im Schweizer Mittelland kommt typischerweise Mitte bis Ende Oktober. Junge Radieschen-Pflanzen überleben einen leichten Frost (minus zwei bis drei Grad) kurzfristig ohne Schaden — zumindest wenn er nur eine Nacht dauert.
Aber sicher ist sicher: wenn du im September sähst und die Radieschen im Oktober noch nicht reif sind, lohnt es sich, nachts ein Vlies drüberzulegen. Das gibt dir zwei bis drei Wochen extra Puffer.
Tagsüber abnehmen, nachts drauflegen. So bleibt die Luftzirkulation erhalten und du verlierst keine Keimwärme.
Was du mit einem halbleeren Hochbeet anstellen kannst
Viele haben im September noch Tomaten, Paprika oder Zucchini im Beet — Platz ist knapp. Radieschen brauchen nicht viel Raum. Du kannst sie:
- In Lücken zwischen grösseren Pflanzen säen, die bald rausgehen
- Im Randbereich des Hochbeets platzieren, wo Tomatenpflanzen wenig Schatten werfen
- In einem separaten kleinen Kasten oder einer Balkonkiste anziehen
Ein Topf mit zwanzig Zentimeter Durchmesser reicht für fünf bis sieben Radieschen-Pflanzen. Das ist kein Hochertrags-Setup — aber gut genug für ein paar Handvoll frische Herbst-Radieschen, die den Unterschied zwischen einem traurigen Oktober-Salat und einem ordentlichen ausmachen.
Frau Schneiders Septemberplan
Frau Schneider hat mir letzte Woche geschrieben. Ihre Tomaten sind noch im Beet, die Zucchini macht die letzten Früchte, aber eine Ecke im Hochbeet ist frei.
«Stachi, kann ich da noch irgendwas reinsetzen? Es wirkt so verschwendet.»
Ich hab ihr geschrieben: Radieschen. Drei Reihen. Saxa oder Münchner Bier. Mitte Oktober isst du die.
Sie hat zurückgeschrieben: «Das klingt schneller als ich dachte.»
Ja. Genau das ist es. Fünfundzwanzig bis dreissig Tage. Der Oktober hat dreissig Tage. Du siehst das Muster.
Wer jetzt sät, hat noch einen letzten Moment mit dem Beet, bevor es in den Winterschlaf geht. Radieschen sind nicht die dramatischste Ernte des Jahres. Aber sie sind die letzte vernünftige Chance, diesen Oktober noch etwas aus dem Beet zu holen.
🦔 Stachi
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